Hornissen-Hofstaat hält Einzug in TWA-Fledermaus-Nistkästen

Hornissen-Hofstaat hält Einzug in TWA-Fledermaus-Nistkästen

Titelbild: Hornisse, Vespa crabro germana, beim Kneten einer Beute. von Richard Bartz, Munich aka Makro Freak - Eigenes Werk, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2544632

Hornissennest in einem der zwei  nebeneinanderliegenden Unterputz-Fledermausnisthilfen, Haus 2, Südseite. Im Einflugsschlitz des linken Kastens ist noch Nistmaterial  der Spatzen zu sehen, die die meisten der Fledermaus-Nistkästen zweckentfremdet haben. Der Einflugschlitz des rechten Nistkastens ist komplett von der Haube des Hornissennestes verdeckt, das sich (unter Putz) wahrscheinlich zum größten Teil  im Nistkasten selbst nach oben erstreckt (Foto: Dirk)

Gestern wies mich Viktor dankenswerterweise darauf hin, dass sich nun auch Hornissen (Vespa crabro) in zwei unserer 57 Unterputz-Fledermaus-Nisthilfen breit gemacht haben. Vermutlich bereiteten ihnen die Spatzen, die mittlerweile so gut wie alle unserer Fledermauskästen zweckentfremden, mit ihrem Nistmaterial den Weg. In je einem der Nistkästen in Haus 2 und Haus 4, jeweils zur Sonne hin auf der Südseite, sind die großen gelb-rotbraun gestreiften Hornissen bei reger Bautätigkeit an den Nestern ihres Hofstaates zu beobachten (s. Bilder). Hornissen sind – ebenso wie unsere Schwalben und Fledermäuse – soziale Tiere. Sie gehören zur Familie der  der Sozialen Faltenwespen (Vespidae). Auf einem faszinierenden, von Viktor gedrehten und seit gestern auf youtube eingestellten Video-clip ist zu sehen, wie rege sie hin- und her fliegen und sich gegenseitig beim Nestbau unterstützen. Dass sich Hornissen ausgerechnet unsere Fledermausnistkästen aussuchen scheint übrigens nicht unüblich zu sein. Der sehr informative  NABU-Artikel im internet über Hornissen, mit weiteren eindrucksvollen Bildern, berichtet von einem ähnlichen Vorfall und gibt nützliche Hinweise, wie damit umzugehen ist.

Hornissen beim Nestbau. Der größte Teil des Nestes wird sich Unterputz in dem ca. 50 cm nach oben reichenden Fledermausnistkasten befinden. (Foto: Viktor)

Hornisse beim Sammeln von Baumaterial an einem morschen Holzstab. Hornissen sind etwa doppelt so groß wie unsere 'normale' Wespe (Foto: Dirk)

Ein Dank auch an die heroischen, direkten menschlichen Nachbarn und Mitbewohnerinnen, Marlene und Brigitte, die das Ganze mit tragen. Denn Hornissen sind nicht ganz ungefährlich, auch wenn ihre Gefahr für den Menschen oft übertrieben wird. Das Sprichwort „7 Stiche töten ein Pferd, 3 Stiche einen Menschen“ trifft definitiv nicht zu (s. den informativen wikipedia-Artikel zu den Hornissen). Trotzdem kann ein Hornissenstich schmerzhafter als ein Wespenstich empfunden werden, was erstens an dem hohen Anteil des Neurotransmitters Acetylcholin liegt, einer als brennend empfundenen Substanz, die nur im Hornissengift vorkommt. Zweitens verursacht der dickere und tiefer, in empfindlichere Regionen, eindringende Stachel ein höheres Schmerzempfinden (wespenschutz.ch).

Zudem kann der Stich bei Menschen mit Insektenstich-Allergie, die es leider immer häufiger gibt (mein Sohn und ich gehören leider auch dazu), leicht gesundheitsgefährdend werden. Dann ist es angeraten, sofort zum Arzt zu gehen! Gemäß Zahlen im internet sind angeblich nur 2% - 4% der Bevölkerung davon bettroffen. Tatsächlich liegt der Anteil der allergisch auf Hornissenstiche reagierenden Menschen aber heute eher deutlich über 50%!  Bei einer Hornissenattacke auf 18 Wanderer in Weingarten (bei Karlsruhe) am 3. Sept. 2018 wurden 13 (72%) Wanderer gestochen und ins Krankenhaus eingeliefert, davon zeigten 8 der 13 (62%) allergische Reaktionen gegen Hornissenstiche. "Die allergische Reaktion führe dazu, dass der Blutdruck in den Keller rausche. Mitunter könne es auch zu Atemnot kommen. Zwei Patienten habe es „durchaus ernsthaft“ getroffen. Die übrigen seien eher leicht verletzt gewesen."  (18 Wanderer von Hornissen attackiert. faz. 04.09.18)

Glücklicherweise sind Hornissen aber längst nicht so zudringlich wie ihre artverwandte kleinere Deutsche Wespe, die in diesem trockenen und heißen Sommer besonders aggressiv zu sein scheint. Nur direkt in den An- oder Abflugweg der Hornisse (2 – 6 m Abstand halten) sollte man sich nicht stellen und natürlich auch nicht unabsichtlich barfüßig darauf treten oder gar setzen. Letzteres erwähne ich deswegen, weil die Hornissen augenscheinlich nicht nur Tags herumfliegen sondern auch nachtaktiv sind. Dabei kommen sie gern auch in unsere Wohnungen, falls bei lauen Sommernächten die Fenster offen stehen, und letztere nicht ohnehin durch Fliegengitter vor Eindringlingen geschützt sind. Ich hatte mich in den letzten Tagen schon gewundert, was für Insekten denn öfter spätabends brummend am Fliegengitter meiner Balkontür anklopften!

Unsere Hornissen stehen unter Artenschutz, ihre Nester dürfen daher nicht zerstört werden, was bei den Nestern in unseren Unterputz-Fledermauskästen ohnehin kaum möglich sein dürfte. Außerdem verteidigen Hornissen natürlich ihr Nest. Der Verteidigungsradius schwankt zwischen zwei und sechs Metern, wobei sich der Radius erhöht, wenn sie häufig gestört werden. Innerhalb dieses Bereiches sollte man hektische Bewegungen und Erschütterungen wie Rasenmähen vermeiden. Außerdem werden Hornissen – ebenso wie andere Wespen – durch An- oder Wegpusten zum Stechen gereizt (diese und weitere nützliche Hinweise zum Umgang mit Hornissen findet ihr auf der Hornissen-wikipedia-Seite).

Wir können die Hornissen außerdem insofern willkommen heißen, weil sie dafür bekannt sind, dass sie auf ihrer Jagd nach Futter auch ihre kleineren artverwandten Wespen nicht verachten, die in der TWA schon einmal so aufdringlich wurden, dass sie vor vier Jahren in Ines & Peters Schlafzimmer durch die Zwangslüftung eindrangen und dort ein riesiges Nest bauten (s. Wespen-Eintrag im TWA-Zoo). Wer dem Hornissen-Hofstaat Unterkunft gewährt wird daher rasch bemerken, dass die Hornissen die Wespenplage am Kaffeetisch in Grenzen halten (s. dazu detaillierter: Rickinger, T. (2016): Hornissen und ihre Beute).

Bildnachweis: Titelbild "Vespa crabro germana beim Kneten einer Beute" von Richard Bartz, Munich aka Makro Freak - Eigenes Werk, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2544632