Die Amerikanische Kiefernwanze - 'Auf der Mauer, auf der Lauer, sitzt ne kleine Wanze … '

Die Amerikanische Kiefernwanze - 'Auf der Mauer, auf der Lauer, sitzt ne kleine Wanze … '

Vorgestern fand sich ein unerwarteter Gast auf meinem Balkon ein und begehrte Einlaß. Eine große Wanze setzte sich auf die Fliegentür zum Balkon. Sie suchte augenscheinlich ein warmes Quartier in meiner Wohnung, frei nach dem Motto des beliebten Kinderliedes:

Auf der Mauer, auf der Lauer, sitzt ne kleine Wanze ...

  • Amerikanische Kiefernwanze (Leptoglossus occidentalis), auf dem Fliegengitter meiner Balkontür, 3. September, 2019

Es war gar nicht so leicht, die Identität des Gastes zu bestimmen. Weltweit gibt es ca. 4.000 verschiedene Wanzenarten, davon sind allein in Deutschland 870 Arten heimisch. Auf einer website des NABU wurde ich dann fündig. Es handelt sich um die gut zwei Zentimeter (Körperlänge) große, hübsch gemusterte, rötlichbraune Amerikanische Kiefernwanze (Leptoglossus occidentalis), die an meine Tür klopfte. Sie gehört zur Familie der Rand- oder Lederwanzen (Coreidae). Ende der 1990er Jahre wurde die Kiefernwanze aus den USA durch den transatlantischen Güterverkehr nach Oberitalien importiert, vermutlich versteckt unter Paletten. Von Norditalien breitete sie sich schnell in ganz Europa aus. Das liegt – neben dem Gütertransport – auch daran, daß die Wanze erstaunlicherweise sehr gut fliegen kann und sogar den Ärmelkanal überquerte:  Italien erreichte sie (1999), die Schweiz (2002), Slowenien (2003), Spanien (2003), Kroatien (2004), Ungarn (2004), Österreich (2005), Frankreich (2005), Tschechien (2006), Serbien (2006), Britische Inseln (2007), Belgien und Niederlande (2007), Polen (2007), Slowakei (2007), Montenegro (2008), Bulgarien und Rumänien (2008), Dänemark und Norwegen (2009), Türkei (2009), Griechenland (2010) und Portugal (2010) (s. Amerikanische Kiefernwanze: Verbreitung). In Süddeutschland gab es im Herbst 2018, nach dem heißen Sommer und einem reichhaltigen Nahrungsangebot eine besonders große Vermehrung. Die Amerikanische Kiefernwanze liebt augenscheinlich warmes Klima. Auf der Suche nach einem warmen Plätzchen drang sie daher auch in Wohnungen ein, was von manchen Betroffenen, besonders denjenigen, die an Insektenphobie leiden, als „Invasion“ und Plage empfunden wurde.

Anders als die zum Teil recht ähnlich aussehenden, etwas kleineren europäischen Raubwanzen, die schmerzhafte Stiche verabreichen, sondert die Kiefernwanze, wenn sie sich bedroht fühlt, nur ein nach Apfel oder Zitrone riechendes Abwehrsekret ab. Die Kiefernwanze ist jedoch für den Menschen ungefährlich. Sie sticht nicht und verbreitet auch keine Krankheiten, wie die leider in Mitteleuropa – nicht zuletzt wegen des weltweiten Individualtourismus und zunehmender Resistenz gegen Pyrethroide (Insektizid) - wieder zunehmenden Bettwanzen. In der Forstwirtschaft wird die Kiefernwanze hingegen als Schädling behandelt, weil sie – wie der Name schon andeutet – die Samen der Fichten- und Kiefernzapfen befällt und unfruchtbar macht, indem sie sie aussaugt.

Auf der website von www.natur-in-nrw.de ist die Kiefernzapfenwanze in schönen Detailaufnahmen und sogar in Bewegung auf diesem kleinen Film zu bewundern.

Quelle: Amerikanische Kiefern-/Zapfenwanze, Koniferen-Samen-Wanze, www.natur-in-nrw.de

Titelbild: Amerikanische-Kiefernwanze - Leptoglossus-occidentalis; Quelle: Institut für Schädlingskunde, 64354 Reinheim.