Der Dompfaff (6. April 2014)

Der Dompfaff  (6. April 2014)

Viktor sei Dank! Es gibt wieder Neues aus dem TWA-Zoo zu vermelden.

Viktor wurde heute, am Sonntagmorgen, durch den Gesang eines Dompfaffs geweckt, den er schon aus seiner Kindheit gut kannte. Sein  Vater hatte über lange Jahre eine Vogelvoliere draußen im Garten am Haus. Darin hielt und züchtete er Dompfaffen und Kreuzschnäbel. Das hatte immer wieder auch andere Dompfaffen angezogen. Viktor kann diese schönen Vögel daher schon am Ruf erkennen. Deshalb ist die Freude besonders groß, dass auch hier im Spielwäldchen hinter der Torfwiesenau Dompfaffenpärchen zu beobachten sind. So griff Viktor heute kurzerhand gleich zu seiner Videocamera und schoß von seinem Fenster aus die beiden folgenden schönen Fotos.

Auf youtube findet Ihr unter dem folgenden link ein Video mit weiteren Bildern und dem (eher unscheinbaren) Gesang des  Gimpels  im Wald  (aus der DVD "Die Vogelwelt des Waldes" von Susanne Hoffmann, erhältlich bei www.tierstimmen.de; EditionAMPLE, Standard-YouTube-Lizenz).

Um den Dompfaff, auch Gimpel genannt, ranken sich viele Geschichten, was sicherlich nicht zuletzt auf das prächtige Gewand des Männchens mit seiner blutrot gefärbten Brust und dem schwarzen Kappi zurückzuführen ist. Mit dem roten Gewand erinnert er im Mittelalter Viele an die Kleidung eins katholischen Priesters, weswegen er im Volksmund länderübergreifend in den verschiedenen Sprachen Europas auch als Dompap (Dänemar), Domherre (Schweden), prêtre (Priester, Franz.) oder monacchino (Mönchlein, Ital.) bezeichnet wird. Nach anderen Überlieferungen stand das prall gefüllte Bäuchlein, das "an einen wohlgenährten Pfarrer erinnert, .. Pate bei der Namensgebung. Nach anderer Überlieferung war es der schlechte Gesang und die Fresslust, die das Volk zum Vergleich mit dem Pfarrer animierte. " (Quelle: Cosmopolitan - Milchkuh)

"Der Gimpel (Pyrrhula pyrrhula), auch Dompfaff oder Blutfink genannt, ist eine Vogelart aus der Familie der Finken (Fringillidae). Er besiedelt Europa, Vorderasien, Ostasien einschließlich Kamtschatka und Japan sowie Sibirien. Sowohl im Tiefland als auch in Bergwäldern lebt der Gimpel im Nadelwald, überwiegend in Fichten-Schonungen, aber auch in lichten Mischwäldern mit wenig Nadelbäumen oder Unterholz. Seine Nahrung setzt sich aus halbreifen und reifen Samen von Wildkräutern und Knospen zusammen. ... " (aus: wikipedia).

Bemerkenswert ist auch die Balz und die Paarbildung: "Nach der Jugendmauser setzt beim Treffen zweier unbekannter Gimpel verschiedenen Geschlechts ein Ritual ein, das für die Paarbildung von Bedeutung ist. Dabei fliegt das Weibchen zunächst mit drohend aufgeplustertem Bauchgefieder und aufgerissenem Schnabel unter heiseren „Chuäh-Rufen“ auf das Männchen zu. Da das Männchen eine instinktive Hemmung hat, Weibchen anzugreifen, reagiert es normalerweise entweder durch rasches Wegfliegen oder Imponieren. Bleibt das Männchen jedoch ohne Imponierverhalten zu zeigen sitzen, wird es vom Weibchen unter „Chier-chier-Rufen“ angegriffen und verletzt. Ergreift es nicht rechtzeitig die Gelegenheit zur Flucht, kann es dabei schwer verletzt oder getötet werden. - Ist das Männchen am Weibchen interessiert, weicht es vorsichtig einige Schritte zurück. Von dort aus versucht es seinerseits mit aufgeblähtem Bauchgefieder und mit zum Weibchen hingedrehtem Schwanz den Abstand zu verkürzen, bis das Weibchen die Feindseligkeit einstellt. Nachdem es das Weibchen erreicht hat, berührt es dessen Schnabel, wendet sich schnell von ihm weg und hüpft zur Seite. Reagiert dieses mit derselben Geste, wird dieses Ritual mehrmals wiederholt. Zwischendurch fliegt einer der beiden kurz weg, kehrt jedoch rasch zurück, um mit dem Schnäbeln fortzufahren.
Sobald sich beide Vögel füreinander entschieden haben, kommt es zum Zärtlichkeitsfüttern. ... das Männchen (kann) die Balz einleiten, indem es dem Weibchen werbend einen Halm anbietet. ... Nachdem es das Weibchen erreicht hat, gibt es ihm den Halm in den Schnabel, wendet sich schnell von ihm weg und hüpft zur Seite. Nimmt das Weibchen die Gabe an, beginnt es mit dem Männchen zu schnäbeln. Hat die Halmbalz zum Gleichklang geführt, fliegen beide Partner mit Nistmaterial umher." (aus: wikipedia)

Thomas Böhm hat in seiner fabelhaften Politsatire "Das Parlament der Tiere",

unter anderem dieses Verhalten des Dompfaffes aufgegriffen und mit satirischen Anspielungen auf die politische Funktion der 'Pfaffen' in der Gesellschaft versehen. "Das Parlament der Tiere" ist die - eigenwillige - Fortsetzung von Orwell's "Farm der Tiere". Nachdem sich die Menschheit von der Erde verabschiedet hat, versucht der Platzhirsch die Macht an sich zu reißen und degradiert die Tiere zu Stimmvieh. Was für Konsequenzen zieht es nach sich, wenn der Platzhirsch im Tierreich die parlamentarische Demokratie einführt? Wie reagiert das Stimmvieh, wenn die Planschkuh als Präsidentschaftskandidatin nur heiße Luft von sich gibt? Was treibt der Wolf im Schafspelz, nachdem ihm jemand einen Floh ins Ohr gesetzt hat? Wer fällt zuerst, wenn das Frontschwein auf die Friedenstaube trifft? "(aus: amazon).

Eine weitere tierisch wichtig Frage: 'Warum hütet der Dompfaff mit der Weihnachtsgans den heiligen Strohsack?'

Die Antwort ergibt sich beim Lesen der Fabel:
"... In der Kirche war um diese Zeit bereits der Teufel los. Die arme Kirchenmaus hatte einen ganzen Rattenschwanz an Gleichgesinnten eingeladen. Der Dompfaff brach nun pausenlos das Brot und verteilte die Krümel. Gegen 11 Uhr öffnete sich die Kirchenpforte und die Weihnachtsgans, der Osterhase und der Pfingstochse traten ein. Sie sahen abgekämpft aus und atmeten schwer. „Erzählt“, begrüßte der Dompfaff seine Brüder und Schwestern. „Wart ihr erfolgreich? Könnt ihr irgendwas Glaubwürdiges hervorbringen?“ Doch sie schüttelten den Kopf. „Ich habe nichts gefunden“, sagte die Weihnachtsgans. „Ich habe gar nichts gefunden“, jammerte der Osterhase. „Ich habe überhaupt nichts gefunden“, erklärte der Pfingstochse. „Nicht verzagen, liebe Freunde“, sagte der Dompfaff und lächelte gütig. „An nichts zu glauben ist immer noch besser, als überhaupt nicht zu glauben. Aber schaut mal, was ich in der Zwischenzeit entdeckt habe.“ Langsam und vorsichtig zog der Dompfaff hinter dem Beichtstuhl einen heiligen Strohsack hervor und aus diesem einen dünnen, hellbraunen und ausgetrockneten Strohhalm. „Das hier ist ein ganz tolles Ding. Ein Wunder der Natur und genau das Richtige für uns. Denn wenn die arme Seele verzweifelt durch das Labyrinth des Seins herumirrt, was macht sie dann in größter Not? Genau, sie klammert sich an den letzten Strohhalm. Dieses kleine, scheinbar unscheinbare Ding ist das Symbol der Hoffnung. Als Grashalm hat es dem Schicksal getrotzt. Wurde es niedergemäht, wuchs es nach. Wurde es niedergetrampelt, richtete es sich schon nach kurzer Zeit wieder auf. Nun, wo sich der Grashalm in einen Strohhalm verwandelt hat, strahlt er Ruhe und Weisheit aus. Und in unserem heiligen Strohsack haben wir jede Menge davon. Für jede Seele einen. Und es wird jedes Mal der letzte Strohhalm sein. Das werden wir zumindest behaupten. Also lasst ihn uns fortan ehren und seine frohe Botschaft verkünden.“ (Quelle: Das Parlament der Tiere (Buchauszüge, pdf-Datei, free download).

"Im Vogelsberg und in Thüringen wurde dem Gimpel früher beigebracht, abgerichtet Lieder zu pfeifen. Kleine Gimpel, insbesondere der Unterart P. p. coccinea galten als besonders lernfähig. Die Vögel wurden vor dem Ausfliegen aus dem Nest geholt, um ihnen mehrmals am Tage das zu erlernende Lied stückchenweise vorzupfeifen. Wenn sie es beherrschten, wiederholte sich das Prozedere mit einem neuen Teilstück, bis das Lied komplett war. Begabte Gimpel konnten bis zu drei Lieder beherrschen. Zudem lernten junge Gimpel durch den Vorgesang anderer Singvögel, insbesondere des Kanarienvogels. Die gezüchteten Vögel wurden von Deutschland bis in die USA exportiert. ... Bis heute wird der Gimpel als Käfigvogel gehalten. ... In Deutschland wurden Gimpel bis ins 19. Jahrhundert hinein verzehrt; in Italien ist dies teilweise bis heute der Fall. ... Der Gimpel ist häufig als schmückendes Hintergrundmotiv auf alten Darstellungen des Garten Eden zu finden. In Otfried Preußlers Kinderbuch Der Räuber Hotzenplotz wird dieser vom bösen Zauberer Petrosilius Zwackelmann aus Wut in einen Gimpel verwandelt und in einen Käfig gesteckt." (aus: wikipedia)

Weitere Fabeln mit der allegorischen Übertragung allzu menschlichen (Fehl-)Verhaltens und dessen Kritik auf das Verhalten von Tieren findet Ihr unter den folgenden links:  "Die Nachtigall und der Gimpel" und "Der Gimpel und der Paradiesvogel".

Titelbild Quelle:   © Michael Sprinckstub, Dachverband Deutscher Avifaunisten  (DDA) e.V.